Heimatmuseum Obing

Das kleine Museum, das Ihnen die Geschichte von Obing zeigt

Die Madonna von Diepoldsberg

Diepoldsberg MondsichelmadonnaMuttergottesskulptur, sitzend mit stehendem Jesuskind, Ende17. Jahrhundert

In der Kapelle in Diepoldsberg, die der Familie Freiberger (Niedermoier) gehört, stand bis vor etwa 50 Jahren die Madonna. Da die Madonna vor Diebstahl geschützt werden sollte, riet der damalige Obinger Antiquitätenhändler Conny Perl, die Madonna aus der Kapelle zu entfernen und an einem sicheren Ort zu verwahren.

Die Familie Niedermaier hat sich bereiterklärt, die Madonna als Leihgabe dem Heimatmuseum zur Verfügung zu stellen.

Aus der Begutachtung durch Kreisheimatpfleger Ferdinand Steffan, Eiselfing, Landkreis Rosenheim

Thronende Madonna mit stehendem Kind auf dem linken Knie. Mondsichel, Szepter, Kind mit Weltkugel (derzeit fehlend). Einige Finger abgebrochen. Wolkenbank durch flache seitliche Anschwünge erweitert. Fassung 19. Jh. Risse im Holz. Rückseitig (wohl) gehöhlt, aber mit rauem Brett, das morsch klingt, verschlossen.

Höhe 138 cm (incl. Krone), Breite 87 cm; Datierung: Mitte – Ende 17. Jh.

Ehemaliger Standort: in Kapelle, die etwas abseits vom Hof liegt. Datierung durch Ziegelinschrift und Initialen 1696 (H,N.M. = Hans (Johann) NiederMaier?)

Hinterkopf der Muttergottes nicht ausgearbeitet, Schädeldach aufgesetzt, Haar seitlich durch schmalen Steg begrenzt. Keine Korkenzieherlocken. Grübchen am Kinn. Haare bei Maria am Scheitel nicht ausgearbeitet. Borte am rechten Oberarm könnte Zierrat an Wasserburger Kanzelfiguren (Mitren der Bischöfe) entsprechen. Gesicht Mariens grob. Kopf des Kindes sehr groß, schräger Lendenschurz ist etwas ungewöhnlich, zu wenig strukturiert. Kronen nicht zu Zürn passend, wohl original, aber nicht detailliert ausgearbeitet. Es ist denkbar, dass der Bildhauer etwas von Zürn gesehen hat – deren Qualität wird aber nicht erreicht. Die Frage, ob Gregor Pichler, der Schüler und Schwager von David Zürn, als Bildhauer in Frage kommt/käme, kann nicht gelöst werden, da bislang nur Arbeiten in Stein von Pichler bekannt sind. Solange keine gesicherten Angaben vorliegen – es fehlen auch entsprechende archivalische Hinweise – ist es müßig und wissenschaftlich nicht haltbar, ihn ins Spiel zu bringen.

Ungesichert ist auch die Herkunft der Figur. Die Ansicht, die Figur sei bei der Säkularisation von Kloster Seeon erworben worden, lässt sich zwar vermuten, aber nicht beweisen. Ebensogut wäre an eine Herkunft aus der abgerissenen Kirche von Pfaffing bei Obing zu denken. Schriftliche Unterlagen sind nicht bekannt.